Wenn sich Ärzte in Patienten verlieben...

Der schwer verletzte Bordercollie, Mounty, wurde von animal life aus der Tötungsstation gerettet, wo er offenbar schon tagelang mit einem fehlenden Bein, ohne Behandlung einfach in einem Zwinger lag. Sein Bein war massiv entzündet, nur eine Beinamputation konnte sein Leben retten. Die animal life Spenderin Therese Fischer übernahm damals dankenswerter Weise die Kosten der Behandlung. Nun wollen wir Ihnen erzählen, was aus Mounty vier Monate nach der Operation geworden ist: Ein glücklicher Hund, der mit seinem Herrchen Tierarzt Wolfgang Biebl in Rankweil ein sorgenfreies neues Leben begonnen hat.

Wolfgang Biebl und sein Mounty haben einen Neustart in Vorarlberg gewagt. Die Behinderung des Hundes sieht man erst auf den zweiten Blick.

"Die meisten Leute bemerken erst gar nicht, dass Mounty ein Bein fehlt, denn zuerst landen alle Blicke in seinem süßen Gesicht", ist für Tierarzt Wolfgang Biebl die Behinderung seines Hundes eigentlich kein großes Thema mehr. "Die Wunden der Amputation sind mittlerweile verheilt.Wie er das Leben auf drei Beinen meistert, ist eindrucksvoll", erzählt er stolz. In der Tierarztpraxis in Wien sah er Mounty zum ersten Mal. "Der klassische Fall: Arzt verliebt sich in Patienten", erinnert sich der 33-jährige schmunzelnd an Liebe auf den ersten Blick. Und da bei ihm selbst gerade ein Neuanfang bevor stand - er wechselte in eine Tierklinik in Rankweil, Vorarlberg - wollte er auch Mounty die Chance auf einen Neuanfang geben.

Diese wußte der einjährige Boardercollie mit Hängeohren zu nutzen. Seine Ängste und Unsicherheiten hat er überwunden, und "führt ein ganz normales, glückliches Hundeleben", so Wolfgang Biebl. Wer würde an Mountys Stelle nicht glücklich sein? Von animal life vor dem Leben auf einer Mülldeponie gerettet, zog er schlußendlich doch das Glückslos: Ein Tierarzt als Herrchen, den er täglich mit in die Arbeit begleiten darf, wo er nicht nur mit anderen Hunden den Tag verbringen kann, sondern auch noch eine Tierpsychologin und Hundetrainerin vorfindet, die mit ihm arbeitet. Besser könnte es sich gar nicht treffen. "Über Mountys Vergangenheit weiß ich kaum etwas. Aber ich denke, er hat einmal zu einer Familie gehört, und wurde - aus welchen Gründen auch immer - ausgesetzt. Denn er hat zu Menschen sehr guten Kontakt", erklärt der Tierarzt.

Auch Tierarzt Biebl hat zu Hunden einen besonderen Draht, gab es doch in seiner Familie immer einen Hund. Und obwohl sein dreibeiniger Mounty etwas Besonderes ist, sieht er ihn gerne als ganz normalen Hund: "Er verträgt sich gut mit Hunden und Katzen, vor kleinen Kindern und Autos hat er Respekt. Das einzig wirklich Außergewöhnliche an ihm ist, dass er gerne zum Staubsauger läuft, wenn ich sauge, anstatt vor dem Dröhnen zu flüchten." Als Tierarzt kümmert sich Wolfgang Biebl täglich um das Wohl von Tieren. Auch privat ist ihm Tierschutz wichtig. "Ich bin nicht fanatisch. Aber ich lebe nach dem Grundsatz: Leben, und leben lassen", erklärt Biebl: "Das bedeutet etwa, keine Eier aus Legebatterien zu kaufen. Tierschutz kann man ins tägliche Leben integrieren."

Wichtig ist ihm vor allem, Tiere als solche zu respektieren. Biebl: "Man muss einen Hund Hund sein lassen. Sie als Partner- oder Kinderersatz zu verwenden, finde ich falsch." Mounty dankt ihm seinen Einsatz mit viel Liebe. „Auch wenn ich um vier Uhr früh zu einem Notfall muss, Mounty ist immer an meiner Seite.“